Wie hatte sie nach einem Leben voller Hürden und Verluste erneut
so viel Energie aufgebracht, eine so bösartige Krankheit zu
überwinden? War es ihr Kampfgeist, der sie gesunden ließ? Die Liebe
zu ihrer Familie oder ihr Glaube? Bis heute ist ihre schnelle
Genesung für unsere Familie ein Wunder.

Warum werden todkranke Menschen plötzlich gesund, verschwin-
den Tumore, können Gelähmte wieder gehen? In seinem Buch
»Wunder sind möglich« beschreibt der Krebsspezialist und
Psychotherapeut Dr. Herbert Kappauf außergewöhnliche Heilungen.
Angefangen von der des jungen italienischen Mönchs Peregrinus, der
Ende des 13. Jahrhunderts die Nacht vor der geplanten Amputation
seines Beines im Gebet verbrachte. In einer Vision berührte Christus
sein Krebsgeschwür und heilte es, die Amputation war überflüssig.

Oder Frau B. Nach der Diagnose Brustkrebs lehnt die 44-Jährige
eine Operation ab. Aber sie stellt ihr Leben von Grund auf um: Sie
kündigt ihren Job, nimmt sich mehr Zeit für sich und reserviert
konsequent eine Stunde täglich für einen Waldspaziergang. Obwohl
der Tumor wächst, glaubt sie fest daran, sich selbst helfen zu
können. Drei Jahre später lassen sich keine Knoten mehr ertasten.
Wie war das möglich? Auch sie findet darauf keine Antwort. Aber sie
weiß: Das Wichtigste in ihrem Leben sind ihr Mann und ihr Sohn.

Berichte über todkranke Patienten, die wider alle Erwartungen
genesen, ziehen sich durch die gesamte Medizingeschichte. Der
französische Wallfahrtsort Lourdes beschäftigt sogar ein 25-köpfiges
Ärztekomitee, um die vielen unerklärlichen Heilungen zu untersuchen.
Nur wenn eine Genesung ohne ärztliches Zutun und ohne Behandlung
eintritt, erkennen die Ärzte eine »unerklärliche Heilung« an und
reichen die Unterlagen an den Bi-schof weiter. Der entscheidet dann,
ob ein Wunder vorliegt. Bis zu 15 Jahre kann eine solche Prüfung
dauern. Das Bureau Médical hat in den vergangenen 121 Jahren über
4000 Fälle dokumentiert, davon wurden 66 offiziell als Wunder
anerkannt. Was war da geschehen? Was steckt hinter den so
genannten spontanen Heilungen? Sind es besondere Menschen, die
auf diese Art wieder gesund werden, kann man bei ihnen vielleicht
sogar Gemeinsamkeiten erkennen?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich der japanische Gesundheits-
anthropologe Hiroshi Oda während seiner siebenjährigen Forschungs-
arbeit an der Universität Heidelberg. Mithilfe von Ärzten, Kliniken und
Selbsthilfegruppen fand der Forscher 101 Krebskranke mit »Spont-
anremission«. Darunter versteht man eine vollständige oder teilweise,
vorübergehende oder dauerhafte Rückbildung einer bösartigen
Erkrankung, die entweder ohne medizinische Therapie stattfindet –
oder durch eine Therapie, die üblicherweise eine derartige
Rückbildung nicht bewirkt.

Diese 101 Fälle wurden nun von drei Onkologen auf das Penibelste
überprüft. Selbst die leisesten Zweifel oder Unklarheiten genügten, um
einen Probanden von der Liste zu streichen. Übrig blieben schließlich
sechs Frauen und sechs Männer; bei ihnen erfüllten sich eindeu-tig
die medizinischen Kriterien für eine vollständige Rückbildung der
Krebserkrankung.

Hiroshi Oda führte mit allen zwölf Probanden ausführliche
Gespräche. Er bat sie, »ganz frei« zu erzählen, wie sie ihre eigene
Genesung empfunden hatten und wie sie den Zusammenhang
»zwischen den Ressourcen und dem Genesungsprozess«
be-schreiben würden. Nach Odas Definition stellen Ressourcen alles
dar, was dem Patienten hilft, wieder gesund zu werden: soziale
Unterstützung, Eigenschaften wie Zuversicht oder Mut, positives
Denken oder Vertrauen in eine Therapie. Tatsächlich ergab sich hier
eine Gemeinsamkeit: Alle Befragten hatten die Fähigkeit, diese
Ressourcen zu mobilisieren – und taten es auch. Es gibt noch eine
weitere Gemeinsamkeit, von der später die Rede sein wird.

Im Laufe der Untersuchung fand Hiroshi Oda heraus, dass sich die
Remissionspatienten in drei Kategorien einteilen lassen. Er nannte
sie »Typen«.

Der erste Typ: die Kämpfer. Für sie ist der Krebs ein Eindringling in
den Körper, der ihr Leben bedroht und deshalb rigoros bekämpft
werden muss – weil man noch nicht bereit ist, abzutreten; weil man
noch bestimmte Ziele erreichen will, noch Aufgaben hat, Pflichten
erfüllen muss ... Der an Hodenkrebs erkrankte Radrennfahrer Lance
Armstrong gehört zu diesen Kämpfern; er fühlt sich noch nicht am
Ziel. Oder die Sängerin Anastacia, die mit ungeheurer Energie den
Brustkrebs überwunden hat. Um den Kampf aktiv zu führen, nutzen
viele Patienten alternative Heilmethoden wie Visualisierungsübungen,
Homöopathie, Vitamine, Musik- und Kunsttherapie. Sie wehren sich
mit allen Mitteln, wenn’s sein muss, auch mit Handauflegen.

Der zweite Typ: die Gottesgläubigen. Für sie ist die Krankheit ein
Schicksalsschlag. In dieser Zeit der Prüfung ziehen sie Kraft aus
ihrem Glauben, dem sie schon immer angehangen haben oder zu
dem sie jetzt wieder zurückfinden. Sie haben ein tiefes Vertrauen zu
Gott (oder Maria) – und darauf, dass ihnen geholfen wird. Ihre
Genesung führen sie denn auch auf die eigenen Gebete und die
Fürbitten anderer zurück. So war es auch bei dem 51-jährigen
Franzosen Jean-Pierre Béla, der 1987 das letzte anerkannte Wunder
von Lourdes am eigenen Leib erlebte. Er litt seit 1972 an Multipler
Sklerose und reiste vertrauensvoll nach Lourdes. Dort nahm er, im
Rollstuhl sitzend, an einer Messe teil und verspürte schon wenig
später »ein Gefühl der Befreiung. Ich wurde zunächst im Herzen und
dann erst am Körper geheilt ... Noch bevor ich mich bewegen konnte,
wusste ich, dass ich geheilt war«.

Der dritte Typ: die Umsteiger. Ihre Krankheit ist für sie ein Signal,
über sich selbst und ihre Lebensweise gründlich nachzudenken. Ihre
Stärke liegt in der Bereitschaft, aus ihren Überlegungen die
Konsequenzen zu ziehen und, wenn nötig, radikale Änderungen
vorzunehmen. Um zu innerer Harmonie und zum Wesentlichen
zurückzufinden, bedienen sich die Umsteiger ebenfalls alternativer
Heilmethoden und externer Ressourcen. »Es ist eher ein
Erinnerungsprozess«, so Hiroshi Oda. »Das Abirren vom eigenen
Weg wird rückgängig gemacht.«

Zwischen diesen drei Kategorien gibt es keine scharfen Grenzen.
Der Kämpfer kann sich auch Gott als Kampfgefährten suchen – nach
dem Motto: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott! Und der Gläubige kann
in seinen Gebeten zu Gott fragen: »Was habe ich falsch gemacht?« –
und zu ähnlichen Erkenntnissen gelangen wie der Umsteiger.

Bei genauerer Betrachtung der drei »Typen« zeigen sich – außer,
dass alle ihre Ressourcen nutzen – zwei weitere Gemeinsamkeiten.
Erstens: kein Gejammer, keine Anklagen gegen einen grausamen
Gott oder ein kaltschnäuziges Schicksal, keine Re-signation, keine
Bitterkeit. Zweitens, und das ist erstaunlich: Alle stützen sich auf
einen Glauben – auf den Glauben an Gott oder die heilenden Kräfte
bestimmter Menschen und Praktiken. Das ist ein wichtiger Punkt.
Denn jeder feste Glaube hilft uns, in uns eine geistige Ordnung zu
schaffen. So kommen wir mit uns selbst und der Welt in Einklang.
Und so entstehen Gleichgewicht und Harmonie. Wer permanent
gegen seine wahren Bedürfnisse lebt, gerät aus dem Gleichgewicht
und fühlt sich »nicht in Ordnung«; die da-raus wachsende Spannung
kann so groß werden, dass »Unheil« entsteht – eine Krankheit zum
Beispiel.

Seit einigen Jahren hat sich ein Forschungszweig entwickelt, der
sich mit den Zusammenhängen zwischen Körper, Seele und
Immunsystem beschäftigt: die Psychoneuroimmunologie. Sie
bestätigt: Bei komplexen Krankheiten spielt die Psyche eine weitaus
größere Rolle als bisher vermutet. Jeder Gedanke, jedes Gefühl wird
nicht nur vom Ge-hirn, sondern auch vom Körper wahrgenommen und
verarbeitet. Emotionen haben demnach ei-nen bisher total
unterschätzten Einfluss auf die Gesundheit.

Wieder »in Ordnung« sein – dieser Wunsch führt viele Betroffene
zu Heilern. Der Gottesgläubige richtet sich an Jesus, den Heiland, der
mit Handauflegen und Gebeten Menschen heilte und ihnen sagte:
Dein Glaube hat dir geholfen! Andere vertrauen auf die Heilkräfte von
Schamanen oder wenden sich Importen aus Fernost zu, wie Reiki, Qi
Gong, Prana-Heilen oder Chakratherapie. Allen gemeinsam ist, dass
nicht in erster Linie der Körper, sondern der Geist oder
»feinstofflichere Ebenen« behandelt werden sollen.

Den meisten Schulmedizinern läuft vor allem bei dem Gedanken
an solche Versuche ein Schauder über den Rücken. Und auch den
meisten von uns ist nicht ganz wohl dabei. Leider stimmt es ja, dass
sich auf dem Gebiet der alternativen Behandlungsmethoden viele
Scharlatane tummeln. Hinzu kommt, dass wunderbare Heilungen, bei
denen es nicht mit »rechten Dingen« zuzugehen scheint, sich unserer
Forderung nach Erklärung und Klarheit gänzlich entziehen. Es fällt
schon schwer, die normalen Methoden der Schul- und Gerätemedizin
zu verstehen – bei einem Heiler sehen und verstehen wir überhaupt
nichts. Es hat etwas Unheimliches.

Andererseits: Sollen wir einfach ignorieren, dass alternative Heiler
und ihre zum Teil sehr unterschiedlichen Methoden tatsächlich
Erfolge vorweisen können? Seit den 1960er Jahren fanden allein im
deutschsprachigen Raum etwa ein Dutzend Erhebungen unter
Menschen statt, die schon einmal bei einem Heiler waren; befragt
wurden rund 7000 Patienten. Zwei Drittel erklärten, ihre Beschwerden
hätten nach der Behandlung mehr oder weniger deutlich
nachgelassen; fünf bis zehn Prozent (je nach Erhebung) fühlten sich
sogar vollständig geheilt; darüber hinaus erklärten über 90 Prozent,
die Behandlung habe ihr Allgemeinbefinden, ihre psychische
Verfassung und ihre Lebensqualität verbessert.

Was ist da geschehen? Dr. Harald Wiesendanger, Publizist und
Mitorganisator beim »Pub-likumkongress für Grenzwissenschaften«,
erklärt dazu: »Die meisten Heiler glauben, dabei sei eine besondere
Energie im Spiel, die sie Kranken vermitteln. Auch spielen viele
psychologische Faktoren mit: die Wahrnehmungen, Überzeugungen
und Erwartungen des Patienten; die Suggestionen des Heilers, sein
Charisma, die Art und Weise, wie er mit dem Patienten
kommuniziert. Und wir wissen, dass all dies der Heilung förderlich
sein kann.«

Vielleicht geht es auch bei solchen Heilungen um jenes rätselhafte
Phänomen, das längst von der Schulmedizin genutzt wird: den
Placebo-Effekt. So ist es erwiesen, dass der Glaube an die vom
Doktor verabreichten Tabletten den Heilungsprozess in Gang setzen
kann – auch wenn die Pille aus reinem Zu-cker besteht. Sogar erste
Versuche mit Placebo-Operationen haben die Wirksamkeit dieser
Form von »geistiger Heilung« gezeigt.

Viele Heiler sehen die Wurzel einer Krankheit in einer unheilen
Psyche: in einem unbewältigten Trauma, einem ungelösten Konflikt,
der sich vielleicht schon seit vielen Generationen in der Familie
»fortpflanzt«, in ein-engenden Lebensumständen, zerstörtem
Selbstwertgefühl oder verlorenem Sinn. Ihnen geht es darum, die aus
dem Gleichgewicht geratene Einheit von Körper und Geist
wiederherzustellen. Genauso wie ein verantwortungsbewusster
Schulmediziner geben sie dem Patienten Anstöße, seine
Lebensumstände zu hinterfragen und, wenn nötig, zu än-dern. Auch
hier geht es also darum, einen Menschen »in Ordnung« zu bringen,
damit er heil wird. Das erfordert Geduld, Aufmerksamkeit und
Zuwendung – Eigenschaften, die Patienten im modernen
Medizinbetrieb zu-nehmend vermissen. Geistiges Heilen ist, wenn
man so will, intuitive Ganzheitsmedizin.

Auch oder gerade wegen der oft verblüffenden Erfolge der
Heiler ist der Widerstand aus der Schulmedizin sehr stark. »Es ist
nun mal so: An Strukturen, die wir schwanken sehen, halten wir
besonders fest«, sagt Prof. Dr. Kaspar Rhyner, Chefarzt im
Kantonsspital Glarus, einem der modernsten Krankenhäuser der
Schweiz. Er setzt auf Kooperation statt auf Konfrontation. Patienten,
denen aus schulmedizinischer Sicht nicht mehr geholfen werden
kann, werden von einer Heilerin, die eng mit Professor Rhyner
zusammenarbeitet, therapiert. Mit beachtlichem Erfolg. Da ist zum
Beispiel der Elektriker Herbert Löffler. Er litt unter schweren
Gleichgewichtsstörungen und wurde vom Uniklinikum Zürich als
Simulant nach Glarus weitergereicht. Auch dort konnte ihm mit
konventionellen Methoden nicht geholfen werden. Schließlich bat Prof.
Rhy-ner die Heilerin, sich des Falles anzunehmen. Nach zwei
therapeutischen Interventionen war Herbert Löffler von seinen
Gleichgewichtsstörungen be-freit. Bei dem Landwirt Jost Kundert
stellte sich der Heilerfolg bereits nach zwei Stunden ein. Kundert
konnte seit drei Monate weder sprechen noch laufen. Kein Arzt war in
der Lage, die Ursache seines Leidens zu finden. Bis ihn die Heilerin in
Glarus behandelte. Mehr als zwei Jahre ist das nun her, und sowohl
Löff-ler als auch Kundert sind nach wie vor beschwerdefrei. Dafür
müssen sie allerdings auch etwas tun: Ein regelmäßiges
Fitness-Programm, Ernährungsumstellung, aber vor allem der
sensib-lere Umgang mit ihrem Körper seien wichtige Faktoren, um
gesund zu bleiben, so Kaspar Rhyner.

Die Heilerin selbst tritt nicht in Erscheinung. Sie zeigt sich nicht und
will auch nicht in der Öffentlichkeit über ihre Arbeit sprechen. Ihr liegt
daran, das Ärzteteam um Prof. Rhyner mit ihren Erfahrungen zu
unterstützen. Ihre Maßnahmen werden visualisiert, beispielsweise
über ein Computerprogramm, um damit den Ärzten und Patienten zu
helfen, die Heilung besser nachvollziehen zu können.

Elektriker Löffler und Bauer Kundert sind nicht die Einzigen, bei
denen langfristige Heilerfolge festgestellt wurden. Kaspar Rhyner:
»Wir konnten in den vergangenen drei Jahren an verschiedenen
Einzelfällen belegen, dass die Heilungen anhalten können.« Mehr
noch. Diese Heilungen »haben nicht nur auf der psychischen Ebene
einen Effekt, sie haben auch gezeigt, dass schon erkrankte
körperliche Strukturen tatsächlich rückverwandelbar sind und sich
nachher auch in einem schulmedizinischen Re-sultat manifestieren«.

Eine Abkehr von der Apparatemedizin bedeute dies freilich nicht,
sagt Prof. Rhyner. Allerdings glaube er auch nicht, dass man durch
immer ausgefeiltere Maschinen Gesundheit »produzieren« könne.

Für viele sei diese Art des Heilens schwer begreifbar, und für
einen Arzt gehöre viel Mut dazu, gewohnte Bahnen zu verlassen und
seine Wahrnehmung zu öffnen.

Handelt es sich um deutlich psychosomatische Leiden wie bei den
Schwindelanfällen des Elektrikers Herbert Löffel, glauben auch
Mediziner, dass unorthodoxe Therapien hilfreich sein können.
Schwieriger wird es für sie, an derartige Erfolge bei der Krebstherapie
zu glauben. Der kanadische Onkologe Dr. Alistair Cunningham hat
kürzlich untersucht, ob sich psychologische Unterstützung günstig
auf den Krankheitsverlauf bei Krebskranken auswirkt. Er kam zu dem
Ergebnis: Zwar hatten alle Patienten diese Unterstützung als sehr
hilfreich erlebt, für das Langzeitüberleben bei Krebs aber konnten
keine schlüssigen Anhaltspunkte gefunden werden. (Allerdings:
»Psychologische Unterstützung« meint nicht dasselbe wie eine
konsequent durchgeführte Behandlung bei einem Heiler.)

Doch auch Dr. Herbert Kappauf, Krebsspezialist und Autor des
Buches »Wunder sind möglich«, ist vorsichtig. Das ungewöhnliche
Phänomen der Spontanremission könne »ur-sächlich nicht vorrangig
auf bestimmte psychische, psychosoziale oder psychospirituelle
Faktoren, also nicht auf psychologische
Krankheitsbewältigungsmuster, Persönlichkeitsmerkmale,
Verhaltensweisen oder willentliche Anstrengungen zurückgeführt
werden«. Ganz entschieden wehrt sich der Wissenschaftler gegen die
Zuordnung solcher Heilungen zu einem bestimmten Menschentypus:
So, wie es keine Krebspersönlichkeit gibt, gäbe es auch keine
Persönlichkeit für spontane Heilungen. Auch die manchmal
vorgebrachte Vermutung, nur sehr außergewöhnliche Menschen seien
in der Lage, den Krebs aus eigener Kraft zu besiegen, be-zweifelt
Kappauf: »Auch außergewöhnliche Menschen sterben an Krebs.«

Letztlich ist das Phänomen der wunderbaren Heilungen also bis
heute unerklärlich. Doch sie zu ignorieren oder ihnen jegliche
Bedeutung absprechen zu wollen ist falsch. Vielleicht trägt jeder
Kranke ja zumindest das Potenzial der Heilung in sich. Ihn auf der
Suche nach dieser geheimnisvollen »Quelle« zu unterstützen tut in
jedem Fall gut. Zwar sind spontane Heilungen selten: Auf 100000
Krebspatienten kommt eine einzige Spontanremission. Das ist aber
immerhin häufiger als sechs Richtige im Lotto. Und: Vielleicht
kommen zukünftige Forscher-Generationen gemeinsam mit ihren
Patienten dem Geheimnis doch noch auf die Spur.

Autor(in): Nathalie Bureick