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Heidnische Bräuche und christliche Verfolgungen

Hexen (männlich wie weiblich) gibt es, seit es Menschen gibt. In den Anfängen der Menschheit waren es die weisen Frauen und
Männer, die sich in der Kräuter-, Heil und Geburtskunde auskannten. Sie erfüllten wichtige Funktionen in der Gemeinschaft und
waren geachtet.
Erst mit der Zeit der Hexenverfolgung , die im 15. Jahrhundert begann und bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts dauerte,
wurde der Begriff "Hexe" geprägt und mit negativen Assoziationen, wie "verhext" oder "verflucht" belegt. Mit Fortschreiten der
Zivilisation und im Zuge der Christianisierung, fürchteten sich die Menschen zunehmend vor der magischen Kraft, die von den
weisen Frauen ausging. Geschürt wurde diese Furcht von der Kirche und später auch von weltlichen Institutionen. Der so
entstandene Hexenwahn war ein wirksames Mittel, um die loszuwerden, die dem alleinigen Machtanspruch im Wege standen.
Heute ist es erwiesen, dass die Hexenprozesse und grausamen Hexenverfolgungen oft nur ein Mittel waren, um kirchliche
Glaubensdogmen, Machtansprüche und finanzielle Raubzüge durchzuführen. Den Stein ins Rollen brachte die Inquisition, eine
Institution, die schon bei der Verfolgung von angeblichen Ketzern der Kirche gute Dienste geleistet hatte. Nachdem sie ihre
Arbeit gründlich getan hatte, suchte sie nach neuen Betätigungsfeldern und fand sie in den "Ungläubigen", sich dem
Christentum verweigernden Heilkundlern und Schamanen.

Inquisition als Mittel zum Machtmissbrauch
Die von der Kirche losgetretene Hexenverfolgung (natürlich im Namen Gottes!) wurde bald von weltlichen Institutionen
übernommen, die auf grausamste Weise ihre Opfer verfolgten. Das waren meistens Frauen, aber auch Männer und sogar Kinder.
Die der Hexerei bezichtigten Frauen waren der Sündenbock für alles: Epidemien, Krankheiten, Missernten. So wütete zum
Beispiel zu Beginn der Hexenverfolgungen die Syphilis. Schuld waren die Frauen und ihre Sexualität. Sie wurde als eine vom
Teufel besessene Wollüstigkeit verunglimpft und die Frauen der Buhlschaft mit dem Teufel bezichtigt. Das Frauenbild reduzierte
sich auf die Heilige und die Hure. Als im 30-jährigen Krieg die Menschen Hunger litten, weil zu den Kriegswirren auch noch eine
Serie von Missernten kam, da fand man wieder die Schuld bei den Zauberkundigen. Jeder Vorwand war recht, um unliebsame
Nachbarn auszuschalten, Erbschaftsstreitigkeiten zu "erledigen" oder Rache zu üben.
Hinzu kam noch etwas anderes. Im 15. Jahrhundert wurden hierzulande die ersten Universitäten gegründet. Die Medizin und
Geburtskunde, bisher von Kräuterweiblein, Heilkundlerinnen und Hebammen ausgeführt, wurde wissenschaftlich gelehrt. Den
nun neu ausgebildeten Ärzten waren die althergebrachten Schamaninnen ein Dorn im Auge. Verbündete fanden sie in der
Kirche. Denen waren die Heilkundlerinnen schon lange bei ihrem Glaubens-Macht-Anspruch im Weg, denn das Vertrauen der
Menschen in die Heilkunde brachte sie von ihrem Pfad zu Gott, dem alleinigen Herrscher, ab.

Und so wurden Frauen, aber auch Männer, über Jahrhunderte bis zur Goethe- und Aufklärungszeit als Hexen verfolgt und
hingerichtet. Sie waren weder dämonisch, noch stets rothaarig und zum Teil waren sie sogar Christinnen. Die letzte Hinrichtung
einer Frau als Hexe wird auf das Jahr 1782 in der Schweiz datiert.

Hexen heute

Heute, zu Beginn des dritten Jahrtausends, erlebt das "Hexe-Sein" einen Boom. Vielleicht sind es die Unerklärlichkeiten in
unserer durchtechnisierten und rationalen Welt, die Skepsis gegenüber der Schulmedizin oder die Suche nach Orientierungen,
die viele Menschen wieder auf vorchristliche natürliche und vertraute Rituale zurück greifen lassen. Eine wichtige Rolle spielt
auch der Feminismus. Frauen ergreifen Partei für ihre zu Unrecht niedergemetzelten Geschlechtsgenossinnen und wehren sich
gegen die von Männern aufgebürdete Position der Unterdrückten. Wenn heute eine Frau als Hexe bezeichnet wird, so heißt das
nicht selten, sie ist selbstbewusst, intelligent und sexy - der Vamp schlechthin. Die unheimliche Alte, mit Warzen und Buckel,
gehört ins Märchenbuch der Gebrüder Grimm.















Wicca-Kult

Viele der neuen heutigen Hexen (und Hexer) hängen der Tradition der Wicca an. Grundlage des Glaubens ist das 1954
erschienene Buch "Witchcraft today" des Engländers Gerald B. Gardner. Ein großer Teil des darin verbreiteten Gedankenguts
lässt sich auf Buddhismus, Hinduismus und Freimaurertum zurück führen. Innerhalb der Wicca gibt es verschiedene
Strömungen. Die in den Hexenzirkeln aufgestellten Regeln entspringen der heutigen Zeit, sie haben nichts mit alten heidnischen
Traditionen zu tun. Das moderne Hexentum ist auf dem Weg eine weltweite Religion zu werden. Wicca-Gemeinschaften gibt es
in Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland, Deutschland und Schweden. In den USA gibt es etwa zwei Millionen Hexen,
30 der Hexengruppen sind offiziell als Kirche anerkannt.

Mit dem Wicca-Kult sollen Beziehungen zu den magischen Mächten der Natur hergestellt werden. Es werden zwei Götter
verehrt, der Gott der Wälder und der Unterwelt und die dreifaltige Göttin, die als Jungfrau, Mutter und Weise erscheint. Der Vater
des Wicca-Kultes, Gerald B. Gardner, bezeichnete ihn als fröhliche und friedliebende Naturreligion.
Viele "neue Hexen" verdienen ihr Geld mit Handauflegen, Ausräuchern oder dem Abhalten von Trennungsritualen. Nicht selten
haben die heutigen "Hexenmeister/innen" eine psychologische Ausbildung. Ihre Weissagung wird für viele Menschen zur
Lebensrichtlinie.

Quelle:
Können Hexen Hexen?