Protestantische Kirche in Hannover
Und warum "meine" Kirche werdet Ihr wiederum fragen, denn eine echte Hexe geht heute doch nicht mehr in die Kirche!
Darauf erhaltet Ihr von mir drei Antworten, zwei kurze und eine sehr lange:

1. Ich bin Hannoveranerin mit Leib und Seele, die Marktkirche markiert für mich meine Heimat.

2. Die Bürger der Stadt haben diese Kirche erbaut und gegen Mitte des 14. Jahr-hunderts fertiggestellt. Kein Kloster, kein
Kirchenfürst hat beim Bau mitgeredet. Meine Vor-fahren gönnten sich dieses große Bauwerk da sie über genügend Geld
verfügten (Hannover war der Hanse angegliedert). Vom Turm aus konnte man gut heran-marschierende Feinde erspähen womit
der Bau noch einen weiteren Nutzen bekam.

3. Der Turm trägt ein bannendes Pentagramm an seiner Ostseite und zwei Hexagramme, je eins an der Süd- und eins an der
Nordseite. Und das zieht mich an, im Schatten dieser Kirche fühle ich mich auf dem Bauernmarkt donnerstags und dem
Weihnachtsmarkt zwischen 1. Und 4. Advent wohl.

Über dieses bannende (!) Pentagramm möchte ich Euch einiges mitteilen. Es hat einen Durchmesser von mehreren Metern und
zeigt mit seiner Spitze nach unten aufs Kirchen-dach. Über ihm, wie auch über den Hexagrammen zeichnet sich ein Kreuz
reliefartig im Mauerwerk ab. Es ist um einiges kleiner und nicht sonderlich ins Auge springend.

Was veranlaßte die Hannoveraner des 14. Jahrhunderts einen Drudenfuß und zwei Salomonssiegel an den Turm dieser mäch-
tigen Kirche anzubringen?

Als der Kirchenbau fertig wurde, brach die Pest aus und kam auch nach Hannover. Krank-heiten wurden damals dämonisiert
und mit unreinen Geistern in Verbindung gebracht. Somit bediente man sich nicht nur der Heilkräuter sondern bemühte auch
das alte magische Wissen um diese Geister fernzuhalten bzw. abzuweisen. Allerdings bedurfte es einiger argumentatorischer
Verrenkungen um diese uralten vorchristlichen Zaubersymbole an einem Kirchenturm zu rechtfertigen. Bei meiner Recherche in
Hannovers Stadtbibliothek fand ich dann auch ein paar Hinweise. Hexagramm und Pentagramm wurden nämlich nach der
Holzhammermethode zu urchristlichen Symbolen umgedeutet:

Das Hexagramm soll ein Symbol des Engels Metatron sein. Es besteht aus zwei ineinander verschränkten Dreiecken, das Drei-
eck soll das Trinitätsgeheimnis symbolisieren.

Aber in der Magie werden die das Hexagramm formenden Dreiecke den vier Elementen zugeordnet. Vier Dreiecke können auch
zwei Hexagramme ergeben und zwei sind es auch.

Metatron mal Erzengel, mal guter Dämon, hat bei den Okkultisten einen starken Bezug zur Kabbala, er ist mit Kether verbunden.
Das Pentagramm gar wurde als ganz großes Zeichen des Christentums interpretiert. Es soll Alpha und Omega darstellen, ferner
die fünf heiligen Wunden Christi bei der Kreuzigung.

Jeder von Euch kennt die Darstellung eines aufrecht stehenden Menschen mit ausgestreckten Armen, der mit den Händen, den
Füßen und dem Kopf ein Pentagramm mit der Spitze nach oben andeutet. Warum aber steht dies Pentagramm auf dem Kopf?
Nach der alten magischen Tradition ist das Pentagramm mit der Spitze nach oben (an)rufend, mit der Spitze nach unten
abweisend (bannend). Rufend erwarten wir die guten Geister, die unguten halten wir uns mit der Pentagrammspitze nach unten
vom Leibe. Was für die einen Leute die guten oder unguten Geister sind, sehen die anderen Mitmenschen wieder total anders.
Das diskutieren wir aber an dieser Stelle nicht aus. Mit ‚Geister' sind jedoch nicht nur die fleischlosen Wesen gemeint sondern
auch die lebenden Mitmenschen, die Krankheit, Diebstahl und Raub in die Stadt bringen könnten. Denn wie die Runen so ist
auch das Pentagramm ein Seelenurmuster. Solch alte Symbole lösen bei uns Menschen Reaktionen aus.

Unsere Vorfahren wollten also Ungutes und Böses von der Kirche, der Stadt und ihren Mitbewohnern fernhalten. (Erstaunlicher
Weise hatte die Marktkirche im Zweiten Weltkrieg nur geringe Schäden erlitten. Hannover war während des Dreißigjährigen
Krieges die am besten befestigte Stadt und wurde deshalb nicht einmal belagert. Die Stadt hatte damals den Ruf einer giftigen
Natter.)

Wie oft hat wohl der Drudenfuß uns Hannoveraner geschützt? Ich weiß es nicht.

Uns, die wir mit Leinewasser getauft wurden, sagt man nach wir seien für fremde Leute schwer zugänglich, verhalten uns ihnen
gegenüber fast abweisend.

Ist das der Einfluß des großen Pentagramms?
Die Kirche am Platz
Das imposanteste Bauwerk unserer Stadt Hannover ist die Marktkirche. Heute will ich hier die
Gedanken niederschreiben, die mir bei ihrem Anblick durch den Kopf gehen.

Warum ich das Bedürfnis habe in einer Hexenzeitung über eine - in diesem Fall protestantische -
Kirche zu schreiben, möchte ich Euch gern erläutern.

Als diese große Kirche gebaut wurde, wurden zwar schon Abtrünnige und Ketzer von der mäch-
tigen Amtskirche verfolgt, die Hexenverfolgung setzte aber erst etwas später ein. In den Klöstern
der damaligen Zeit lebten auch viele spirituelle Frauen, sie verhalfen dem Christentum zu seinem
Aufstieg und seiner Macht. Die Fähigkeiten dieser später oft auch heilig gesprochenen Damen
kann man durchaus als magisch bezeichnen.

Aber nun zu meiner Kirche. Sie ist die südlichste Backstein-Gotik-Kirche und hat nur einen Turm
im Gegensatz zu den vielen anderen gotischen Kirchen mit ihren zwei Türmen. Sie ersetzte eine
romanische Kirche, die vor ihr auf dem gleichen Platz stand.

Aber was fasziniert die Funca an diesem großen Gemäuer werdet Ihr Euch nun fragen. Es ist der
Turm, ganz einfach nur der Turm und nichts anderes als ihn läßt mich zu "meiner" Kirche auf-
sehen.
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